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dissabte, 29 de maig del 2010

Rathenau und Speer

"Erich Ludendorffs ärgste Sorge war, dass er nicht genug Soldaten haben würde, um den Krieg zu Ende führen. Das hatte Walther Rathenau schon bei der heftigen Diskussion um die Annexion Polen mitbekommen. Also macht er Vorschläge, die Ludendorff in diesem Punkt entgegenkommen. So rät er am 16. September 1916 zu einer Vorgehensweise, die in der Obersten Heeresleitung sofort Aufmerksamkeit erfährt: Um das durch Druck von Ober-Ost aufgelegte Hindenburg-Programm, die totale Mobilisierung aller verfügbaren Kräfte für die Rüstung, besser voranzubringen, sollten 700,000 Zwangsarbeiter im besetzten Belgien ausgehoben und nach Deutschland gebracht werden. Ursprünglich war nur von 100,000 bis 200,000 Mann die Rede gewesen. Doch in einem Brief vom 23 Oktober 1916 machte Rathenau sich für ein weit grösseres Kontingent stark - und nicht nur in Belgien, sondern auch in Polen.

Das war ein Verstoss gegen die damals geltende Haager Landkriegsordnung, die Zwangsdeportationen für die heimische Rüstung verbot. Zum Glück scheiterte dieses Projekt schon daran, dass das gloriose Hindenburg-Programm sich als Flop erwies. Dennoch hatte Rathenau mit diesem Vorschlag eine Line überschritten. Er hatte nicht mehr nur die friedliche Wirtschaft zum Kriegsdienst umorganisiert, was man ihm noch verziehen hatte, er wollte nun - wie später auch Albert Speer - Menschen mit Gewalt zur Arbeit für Deutschland zwingen.

Dies war sein grösster Fehler. Obwohl kein Mensch zu Schaden kam - Rathenau Zwangsrekrutierungsprogramm kam nicht einmal in eine Erprobungsphase -, kostete es ihn Jahre seines Lebens. Als der Krieg verloren war, wollte niemand etwas mit ihm zu tun haben, und die Alliierten dachten kurzzeitig daran, ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen."


Wolfgang Brenner, Walther Rathenau. Deutscher un Jude.



(Quick Translation: Erich Ludendorff's worst fear was that he would not have enough soldiers to bring the war to an end. Walther Rathenau was aware of this concern since the discussion they held about the annexion of Poland... On September 16th, 1916, Rathenau suggested a new strategy that received a prompt interest from the Head of the Army: he suggested, in order to better apply the Hindenburg Plan, the complete mobilization for the arms industry of all the available manpower resources,
to conscript 700,000 forced workers in occupied Belgium and move them to Gemany. Originally it was said that the required number was of about 100,000 to 200,000 men. Furthermore, on a letter dated on October 23rd, 1916, Rathenau supported an increase of the contingent [of slaves], and not only from Belgium but also from Poland. The deportation of forced workforce was a violation of the former Hague Convention. Fortunately, the Hindenburg project was cancelled because it was a failure. Nevertheless, Rathenau had crossed a red line. He had not only organized the [German] economy in war time - something that could be pardoned -, but he wanted now to force people to work for Germany - like later Albert Speer did . It was his biggest mistake. Despite that no person was harmed - Rathenau Forced labour program was not even tested -, it cost him years of his life [to correct]. When the war was lost, nobody wanted to do have any relation with Rathenau, and the Allies thought for a while to court-martial him.)

dissabte, 15 de maig del 2010

Dreihundert Männer

"Dreihundert Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents und suchen sich die Nachfolger aus ihrer Umgebung." (*)
...

Aber lassen Sie mich vertraulich Ihnen sagen: mein Ausspruch war eine Art von Indiskretion. Die wirklichen „300“ haben die Gewohnheit und Vorsicht, ihre Macht abzuleugnen. Wenn Sie sie aufrufen, so werden sie Ihnen sagen: wir wissen von nichts; wir sind Kaufleute wie alle anderen. Dagegen werden nicht 300 sondern 3000 Kommerzienräte sich melden, die Strümpfe oder Kunstbutter wirken, und sagen: wir sind es. Die Macht liegt in der Anonymität; ich kenne unter den Bekannteren – nicht unter den Bedeutendsten – Einen, den überhaupt niemand zu sehen bekommt, außer seinem Barbier. Ich kenne Einen, der fast arm ist und die gewaltigsten Unternehmungen beherrscht. Ich kenne Einen, der vielleicht der Reichste ist, und dessen Vermögen seinen Kindern gehört, die er haßt. Mehrere sind unzurechnungsfähig. Einer arbeitet für die Jesuiten, ein Anderer ist Agent der Kurie. Einer, als Beauftragter einer ausländischen Vereinigung, ist mit einem Besitz von 280 Millionen Consols der größte Gläubiger des preußischen Staates.


Alles dies vertraulich. Aber Sie sehen: diesen Menschen ist auf gewöhnlichen Wegen nicht leicht beizukommen. Und den ungewöhnlichen Weg des persönlichen Appells lehnen sie ab.“ (**)



Walther Rathenau. * Neuen Freien Presse, Dezember 1909. ** Brief an Frank Wedekind. November 1912.


(Translation into English: There are three hundred men who know each other and lead the economic fate of this continent while they search for their heirs among them... But I will confess you something: that quotation was some kind of indiscretion. The real "300" have a habit and caution to deny their power. If you call them, they will tell you that we know of nothing, "we are businessmen like many others". On the other hand, not 300 but 3000 honorauble businessmen will report, sticking together like butter, to say "we are also part of them". Their power lies in the anonymity, I know one that no one will ever meet except for his barber. I know one who is nearly poor but leads the most powerful companies. I know one who is perhaps the richest, and heard his assets to his children, whom he hates. Several are irresponsible. One works for the Jesuits, another is an agent of the Curia. One, an agent from a foreign investment fund, is a holding of 280 million bounds from the largest creditors of the Prussian states... It is not easy to get into these men...)